Liguria - Riviera Ponente
un piccolo grande amore für die Region, die Küche, die Menschen, das Leben in Ligurien
Taggiasca-Olive
seit fast fünfzig Jahren bin ich an der Riviera dei Fiori zuhause. Und jedes Mal, wenn ich zurückkehre, finde ich dasselbe: Seelenfrieden. Authentizität. Freundschaft. Ehrlichkeit. Einfachheit – und diese besondere ligurische Kunst, aus Wenigem etwas Wunderbares zu schaffen.
Ich liebe die kleine Piazza in unserem Dorf. Besonders zu San Bernardo, wenn lange Tafeln aufgestellt werden, Teller kreisen, Gläser klingen und das Stimmengewirr bis spät in die Nacht trägt. Essen, Lachen, Gemeinschaft – ganz selbstverständlich. Zu der Gemeinschaft gehört auch die gemeinsame Vorbereitung des Festes. Seit Jahren schnibbel ich mit meinen Freundinnen “Macedonia” - Obstsalat für all die vielen Menschen, die dann zum Fest unser Dorf besuchen.
Es gibt Regionen in Italien, die sich nicht erklären müssen. Und es gibt solche, die man verstehen muss, bevor man sie liebt. Ich habe Ligurien sofort geliebt, schon als Kind. Das Verstehen kam später.
Der Westen Liguriens glänzt nicht wie die Riviera di Levante mit den Cinque Terre oder Portofino. Hier gibt es keinen Jetset, keine große Bühne.
Im Westen lebt es sich leiser.
Die Region ist schmal – hinten Hügel und Berge, vorne das Meer. Dazwischen ein schmaler Streifen voller Leben. Die Hänge sind terrassiert, Trockenmauern – muri a secco – halten seit Generationen Erde und Hoffnung. Olivenbäume und Weinreben klammern sich an die Steillagen und recken sich nach der Sonne, befächtert von mildem Meereswind.
Die Dörfer wirken wie Würfel in einer geöffneten Hand. Häuser in warmen Ocker- und Rosatönen, Fensterläden, die vom Wind erzählen. Unten in kleinen Häfen schaukeln Fischerboote, als hätten sie alle Zeit der Welt. Nichts ist inszeniert. Und genau das ist der Reiz.
Orte wie Apricale oder Cervo erzählen von einem Ligurien, das sich treu geblieben ist. Enge Gassen, Stille am Nachmittag und „due chiacchiere“ – ein kleiner Schwatz, der von Herzen kommt.
Es gibt Orte zum Wohlfühlen und Seele baumeln lassen wie bei Rosanna und Sabrina und Töchterchen Vittoria. Im ligurischen Hinterland, eingebettet in Olivenhaine haben die Schwestern den Agriturismo der Eltern übernommen und mit sehr viel Liebe zum Detail, bester Küche, liebevolle und stilvolle Einrichtung einen absolut schönen Wohlfühlenort geschaffen. Es ist so schön, dass es Euch gibt! Grazie mille.
Hier bedeutet Reichtum nicht Überfluss, sondern Qualität.
Ein gutes Olivenöl aus Taggiasca-Oliven – der Königin unter den Oliven. In Imperia hält Antonio mit Überzeugung und Würde an der Tradition fest. In seiner Ölmühle wird noch mit Fiscoli, den alten Bastkörben, gearbeitet. Nach dem Pressen liegen sie auf den Dächern in der Sonne zum Trocknen. Als Präsident der ligurischen Confagricoltura setzt er sich für Landwirtschaft und Region ein. Ein herzlicher, aufgeschlossener Mensch, der uns mit Freude und Leidenschaft erklärt, was gutes Öl wirklich ausmacht.
Oberhalb von Pieve di Teco, in Rezzo, haben Roberto und Giulia ihren Hof aufgebaut. Landwirtschaft, Käserei, artgerechte Tierhaltung – kompromisslos und aus Überzeugung. Ich werde von einem Esel begrüßt, dann von Ziegen, schließlich von Giulia und Roberto. Schnell ist klar: Diesen Ort müssen wir besuchen. Authentischer, reduzierter und ehrlicher kann man kaum arbeiten und leben. Grazie, dass es Euch gibt.
Ein Stück Focaccia, noch warm vom Blech. Pesto, im Mörser gestoßen – mit Geduld und Respekt vor dem Basilikum. In Arnasco, einer kleinen Ansammlung von Dörfern mit einer starken Olivenöl-Kooperative, wird Gemeinschaft gelebt. Roberta kocht, Patrizia führt den kleinen Feinkostladen, donnerstags gibt es Aperocena. Auf der Piazza wird gemeinsam Pizza gebacken, Renata öffnet das Heimatmuseum, Michela schenkt ihre Weine aus und serviert dazu Kleinigkeiten aus dem eigenen Garten. Zu Weihnachten schmückten sie einen Baum mit zweitausend gehäkelten Topflappen. Hier hält man zusammen. Und ich fühle mich aufgehoben.
Frischen Fisch, schlicht gegrillt, mit nichts als Zitronensaft und Meerblick genieße ich in Borgio Verezzi. Ein altes Dorf mit Eselssteinen, die hinauf zur Piazza und zur Kirche führen – und mit einem Blick, der die gesamte Küste umarmt.
Die Riviera dei Fiori trägt ihren Namen nicht aus Eitelkeit. Blumenfelder leuchten selbst im Winter. Doch der wahre Reichtum liegt im Zwischenmenschlichen: im langen Gespräch auf der Piazza, im spontanen Espresso an der Bar, in den Freundschaften und der Verbundenheit.
Ligurien hat mich Geduld gelehrt. Und Maß.
Vielleicht, weil hier alles erarbeitet werden muss – jeder Olivenhain, jede Terrasse, jedes Haus am Hang. Nichts fällt einem zu. Alles wächst langsam.
Und genau deshalb schmeckt es anders.
Ligurien ist keine Region für schnelle Eindrücke. Es ist ein Ort für Menschen, die bleiben. Die wiederkommen. Die hinter die Fassaden schauen wollen.
Für mich ist es kein Sehnsuchtsort.
Es ist Heimat.
Diese Genussreise nach Ligurien ist eine Einladung.
Zu ehrlichen Begegnungen. Zu gelebtem Handwerk. Zu einer Küche, die nicht beeindrucken will, sondern berührt. Und vielleicht auch dazu, Italien ein kleines Stück näher bei sich selbst zu entdecken.
